Eine Wurmkiste oder ein Wurmkomposter ist nichts anderes als eine Kompostmöglichkeit für Zuhause. Besonders für Städtebewohner, die keinen Garten zur Verfügung haben, bietet diese Art der „Resteverwertung“ eine tolle Möglichkeit anfallende Bioabfälle sinnvoll und umweltfreundlicher umzuwandeln.

Nun, wozu soll man sich eine Wurmkiste in die eigenen vier Wände stellen? Zwar wird der Müll in Deutschland getrennt und auch teilweise wiederverwertet oder energetisch verwertet, trotzdem ist es ökologischer, wenn unser Müll nicht erst abtransportiert werden muss. Beim Transport wird CO2 ausgestoßen, lange Wege zurückgelegt und durch viele Prozesse, wie dem Aussortieren von Fremdstoffen, wieder in den Wertstoffkreislauf eingebracht.

Mit einer heimischen Wurmkiste, besser gesagt einem kompakten Komposthaufen in den eigenen vier Wänden, ist es zudem möglich seinen eigenen Dünger und kostbaren Wurmhummus zu gewinnen.

Klingt eklig? Ist es vielleicht auch ein bisschen. Die Idee ist sehr simpel: man nehme einen Behälter, in dem man seine Bio-Abfälle hineingibt und sie von hungrigen und dankbaren Kompostwürmern in ein tolles Naturprodukt – Erde – umwandeln lässt! Es gibt Behältervarianten aus Plastik und Holz, wobei beide Optionen nachhaltige Argumente haben. Plastik ist robuster, denn durch die Flüssigkeit, also den Wurmtee, werden Holzkisten früher oder später aufquellen. Der Vorteil von Holz ist jedoch, dass eben kein Plastik verwendet wird, welches nach getaner Arbeit lange Zeit benötigt, um abgebaut zu werden. Der Wurmtee ist ein toller Flüssigdünger für Blumen und Pflanzen. Dieser kann in der Plastikvariante mithilfe eines Hahns abgezapft werden. In der Holzvariante zieht dieser in das Holz ein, sodass dies aufquillt aber gleichzeitig eine stetige Luftzufuhr ermöglicht und das perfekte Heim für die Würmer bietet. Wichtig ist, dass das Holz unbehandelt bleibt, damit die Kiste atmen kann. Wir haben uns – vor allem in Hinblick auf den Nachhaltigkeitsaspekt und auch wegen der Optik – für eine selbstgemachte Holzkiste entschieden. Diese soll im Schnitt 4 bis 5 Jahre halten, bis sie ausgedient hat. Dafür brauchten wir:

  • 4 Bretter á 40x60x40cm und 2 Bretter 40×40 cm aus Leimholz
  • 12 Winkel
  • Holzschrauben
  • 2x Scharniere
  • Hasendraht
  • Kreissäge
  • Zange
  • Hammer

Der Aufbau

Zunächst schnitten wir die Bretter zu. Die Kiste sollte die Maße 40 x 60 x 40cm haben. Man kann die Kiste mit weiteren Holzlatten an den Innenkanten stabilisieren. Da wir Platz sparen wollten und noch Winkel zu Verfügung hatten, haben wir diese verwendet.

Im nächsten Schritt brachten wir die Scharniere an, um die Kiste zukünftig einfacher öffnen zu können. In die Kiste wird abschließend ein Gitter angebracht, die diese in zwei Teile trennt. Das haben wir aus Hasendraht und zwei Holzleisten zusammengebastelt. Sicherlich könnte man auch einen schönen Rahmen basteln, aber wir haben einfach improvisiert. Um den Hasendraht zu befestigen könnt ihr einen Tacker, oder wie wir, Nägel nutzen.

Tada, Die Wurmkiste ist fertig! Insgesamt haben für die Kiste etwa 70 Euro Materialkosten im Baumarkt ausgegeben. Natürlich gibt es mittlerweile auch fertige Wurmkisten aus Holz oder Plastik zu kaufen, die preislich auch recht unterschiedlich sind. Wer also nicht so handwerklich begabt ist, kann einfach das Netz durchstöbern.

Einzug der Würmer

Die Wurmkiste kann, wenn sie ausreichend vor Sonne und Regen geschützt ist, in den wärmeren Jahreszeiten im Freien stehen. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu heiß oder zu kalt stehen. Aktuell befindet sich die Kiste in meinem Badezimmer. Dort muss ich mir zudem nicht allzu große Gedanken um die Feuchtigkeit machen. Ihr solltet die Kiste zusätzliche erhöht auf Beine stellen, damit die Feuchtigkeit am Boden der Kiste gut entweichen kann. Dazu habe ich einfach Holzverschnitt genommen, der noch vorhanden war. Um die Wurmkiste nun in Betrieb zu nehmen, müssen die kleinen Helfer zunächst angeschafft werden.

Um mit einer ausreichenden Startpopulation zu beginnen und möglichst schnell den Bio-Abfall umwandeln zu können, haben wir Online etwa 250 Würmer bestellt. Diese kosteten knapp 35 Euro. Außerdem könnt ihr Bekannte nach Helferchen aus Gärten und Komposthaufen fragen. Das hatte zudem den Vorteil, das gesunde Bakterien und Mikroorganismen bereits in die Kiste einzogen. Zu beachten ist, dass die Kompostwürmer keine normalen Regenwürmer sind.

Wie versorgt man die Würmchen nun?

Zunächst soll nur eine Seite mit Kompost und Würmern gefüllt werden. Wenn die eine Hälfte voll ist, das heißt nur noch der gute Wurmhummus übrigbleibt und man diesen „ernten“ kann, wird die zweite Hälfte mit euren Bioabfällen befüllt. Die Würmer werden automatisch auf die andere Seite krabbeln, um Nahrung zu suchen. Dann kann alles wieder von vorn losgehen!

Die erste Schicht besteht aus feuchtem Karton. Darauf dürfen sich die bestellten Würmer nun einnisten. Man sollte noch etwas Substrat also düngerfreie Erde hinzugeben, damit die Würmer genügend Platz haben, um sich auszutoben. Eure Bio-Abfälle solltet ihr immer etwas kleinschneiden, bevor sie zur Fütterung gegeben werden. So haben die Würmer mehr „Angriffsfläche“ und die Kompostierung verläuft schneller.

Instandhaltung der Kiste

Bis ihr eine Seite gefüllt habt vergehen etwa 9 Monate. In diesen Monaten müsst ihr gemächlich anfangen, um die Würmer an alles zu gewöhnen. In den ersten Wochen solltet ihr höchsten zwei Hände voll Abfall hineingeben, das könnt ihr stetig steigern, bis die Würmchen mit dem futtern hinterherkommen.

Falls ihr in den Urlaub fahrt, könnt ihr die Würmer einfach mit ausreichenden nassen Karton und Zeitung beglücken. Auch sonst sollte etwa 20% ihrer Nahrung Karton und Zeitung bestehen. Es sollte jedoch kein Hochglanzpapier-oder Karton sein. Wichtig ist auch, dass keine Lebensmittel hineingegeben werden die stark riechen, denn diese werden von den Würmern nicht gern gegessen. Das heißt Zitrusfrüchte und Zwiebeln solltet ihr vermeiden. Auch Milch- und Fleischprodukte sind für die Würmer tabu, da diese zu schnell schlecht werden oder verwesen und das ziemlich eklig riechen kann. Gekochte, gesalzene oder gewürzte Reste sowie Brot und Getreide haben ebenfalls nichts in der Kiste zu suchen.

Alle 2 bis 3 Tage solltet ihr den Inhalt der Wurmkiste inklusive Bewohner anfeuchten. Ist die Kiste nämlich zu trocken, kann es sehr ungemütlich für die Würmer werden. Unter feuchten Bedingungen fühlen sich eure neuen Haustiere am wohlsten. Als Abdeckung habe ich eine Schicht Zeitungspapier und darauf zusätzlich eine Hanfmatte hineingelegt. Beides sollte ebenfalls leicht feucht sein. Die Hanfmatte verhindert, dass unerwünschtes Obstfliegen oder andere Insekten sich am „Futter“ zu schaffen machen und verhindert weiteres Austrocknen des Substrates. Außerdem ist diese ebenfalls durch die Kompostwürmer abbaubar.

Ich hoffe unser Projekt hat euch dazu inspiriert selbst einmal einen Wurmkomposter auszuprobieren. Bislang bin ich begeistert und finde es sowieso ziemlich cool neue und vor allem nützliche Haustiere zu haben. Wir werden euch auf dem Laufenden halten und weiterhin berichten, wie fleißig die Würmchen in ihrem neuen Zuhause sind.